Wie gut, dass die Welt ohne Vorurteile ist…

Ricarda ist schon sehr schön in ihrem Blogeintrag Mal was in eigener Sache… darauf eingegangen.

Dennoch möchte ich auch noch etwas dazu sagen, da mich das Thema einfach nicht in Ruhe lässt. Ich bin mittlerweile seit ca. 8 Jahren (so genau kann ich das gar nicht mehr sagen) so wie ich heute bin, ich mag hier gar nicht schwarze Szene schreiben, da ich auch noch sehr viel andere Musik höre etc. und mehr wenn ich nach dem Musikgeschmack gehen würde eine gesunde Mischung aus Metaler/Punk/Grufti/irgendwas bin aber allem voran bin ich ich und ich fühl mich gut dabei. Vorher wurde ich von diversen Leuten (unter anderem meine eigene Familie) in gewisse Schemen gedrängt… brav, lieb, nett, immer freundlich, höflich, nie schlechte Laune, immer mit dem Trend gehend, nur reden wenn man dazu aufgefordert wird, etc. dass das alles total utopisch ist und mehr einem Roboter gleich kommt als einem Menschen kann denke ich jeder verstehen.

Ich habe das lange mit mir machen lassen und dummerweise mit meinem teilweise schon fast unmenschlichen Ehrgeiz, der mir des Öfteren im Weg steht, auch lange versucht so zu sein wie andere mich haben wollten, doch es gab immer jemanden, den diese Leute besser, schlanker, hübscher, toller und intelligenter fanden als mich, und das obwohl ich durch die Bank weg z. B. Jahrgangsbeste war und das haben sie mich auch deutlich spüren lassen. Und wenn einem vom eigenen Fleisch und Blut jeden Tag gesagt wird XY ist viel toller/schöner/besser/hübscher als du und dass du beispielsweise fett, häslich und zu nichts zu gebrauchen wärst, dann fängst du irgendwann an diesen Mist zu glauben und dann entstehen Zwänge, die sich bei mir unter anderem in Essstörungen und selbstverletzendem Verhalten äußerten. Ich habe mich nie nach dem Essen übergeben, ich habe einfach fast ganz aufgehört zu essen und das Dank meines Ehrgeizes auch geschaft. Ich war nie wirklich dick, wenn überhaupt höchstens ein bisschen pummelig aber in kürzester Zeit war ich so nicht mal mehr die Hälfte von dem was ich war und meine Mutter wurde von diversen Leuten angesprochen, ob ich denn Zuhause noch was zu Essen kriegen würde, ein Gespräch hat sie deswegen mit mir allerdings nicht gesucht. Warum auch? Ich funktionierte ja. Mir selbst viel mein rapider Gewichtsverlust erst gar nicht so auf, ich war auch nicht müde oder hatte Leistungsabfälle, wie immer behauptet wird und mein Magen/Körper hatte sich längst daran gewöhnt. Irgendwann merkte ich dann allerdings doch, dass ganz egal was ich tat und wie sehr ich mich anstrengte, ich die hochgesteckten Ziele meiner Familie nicht erreichen konnte und da bricht für einen sehr ehrgeizigen Menschen wirklich eine Welt zusammen.

Ich war nicht glücklich, ich war ganz und gar nicht glücklich mit meinem Leben aber was sollte ich tun? Raus kam ich da aus damaliger Sicht nicht mehr und so kamen die Depressionen und der Hass gegen mich selbst, denn ich hatte versagt und die anderen hatten keine Schuld, denn ganz allein ich war eingespert in diesem vermaledeiten Körper, der mir versagte das zu werden und zu sein was alle von mir erwarteten.

In der ganzen Zeit hatte ich mit niemandem über die Probleme Zuhause gesprochen, warum auch? Die kannten ja sowieso nur die heile Welt in der ich lebte und ich wollte ihnen Brechreiz und Übelkeit ersparen, außerdem was interessierte die das schon? Und als psychische-Mülltonne wollte ich auch niemanden missbrauchen. Dennoch bin ich dankbar, dass einer damals gemerkt hat dass etwas faul war und nicht locker gelassen hat. Dieser eine war damals mein einziger wirklicher bester Freund, der den Menschen mochte, der hinter dieser ganzen Fassade steckte, denn bei ihm konnte ich so sein wie ich war. Er stellte mich zur Rede und ich erzählte zum ersten Mal in meinem Leben meine ganzen Probleme frei von der Leber weg, ich hatte das ja nie gelernt und das fühlte sich an als wenn das Himalaya Gebirge auf meinen Schultern einfach weggesprengt würde. Aber was noch viel toller war, er wieß mich nicht zurück, er hatte Verständnis und ermutigte mich mein dickes Fell auszupacken und endlich die zu sein, die ich war.

Ich habe damals seinen Rat befolgt und auch wenn wir schon viel zu lange keinen Kontakt mehr zueinander haben, so bin ich ihm immer noch verdammt dankbar. Ganz ehrlich, ich wüsste nicht was mit mir passiert wäre, wenn er nicht gewesen wäre und ich möchte ehrlich gesagt auch gar nicht wissen was passiert wäre.

Ganz klar, dass damals so einige Leute geschockt waren, allen voran meine Eltern, dass ich nicht mehr die Maschine war, die funktionierte und zu allem ja und Amen sagte. Aber ich fühlte mich endlich zufrieden und frei, daran konnten auch die lauten Stimmen und drohenden Zeigefinger Zuhause nichts ändern. Irgendwann bemerkte ich dann, dass es noch andere Menschen mit meinen Interessen gab und so fand ich schließlich auch endlich richtige Freunde, die mich nicht an Klamotten ausmachten, sondern wirklich den Menschen mochten, der da vor ihnen stand. Dass diese Leute und auch ich, wo ich doch jetzt “dazu gehörte”, mit ihrem Kleidungsstil und Musikgeschmack auf andere seltsam und vielleicht sogar bedrohlich wirkten, war mir total egal, denn gerade ich wusste ja, dass materielle Dinge keinen Menschen ausmachen, sondern das was tief hinter Haut und Knochen sitzt :)

In den ganzen 8 Jahren habe ich so viele liebe und facettenreiche Menschen kennengelernt, dass sich mir wirklich der Magen umdreht, wenn ich solche dummen Aussagen wie “ihr seid Satanisten, ihr tragt schwarz und opfert schwarze Katzen” höre/lese. Ich kann einfach nicht verstehen wie man so dumm sein kann, ich dachte aus dem Mittelalter wären wir längst raus. Ich weiss es gibt viel zuviele Idioten auf der Welt und einige davon quälen leider auch Tiere aber “schwarze Szene” und “schwarze Messen” haben erstmal gar nichts miteinander gemeinsam außer das Wörtchen “schwarz”. Es ist eben immer wieder leicht unqualifizierte Aussagen mit irgendwelchem Mist, den man mal irgendwo von XY gehört hat zu untermauern anstatt sich selbst Gedanken zu machen und sich vorzunehmen die Stimmen abzustellen und ganz ohne Vorurteile auf jemanden zuzugehen. Mal ganz davon abgesehen, dass die meisten der Menschen, die ich bis heute kennengelernt habe Katzen über alles lieben und selbst ein ganzes Rudel davon Zuhause haben. Und bitte wer kauft sich eine Rassekatze für hunderte von Euro um sie dann umzubringen?!

Auch finde ich es erschreckend, dass gewisse Züchter jetzt schon sagen “ich habe immer Panik, dass ein schwarzes Kitten fallen könnte”. Ja und was ist dann wenn ein schwarzes Kitten fällt?! Ich fände es ganz schrecklich traurig, wenn wegen solcher dummen Aussagen irgendwann vielleicht keine schwarzen Katzen mehr gezüchtet werden würden. Für mich sind gerade die Farbschläge black solid, black/silver, black smoke, blue solid und white odd eyed besonders ansprechend, da diese Katzen für mich etwas “geheimnisvolles” umgibt. Ich kann nur hoffen, dass es noch mehr vernünftige Züchter und Menschen gibt, die jemanden nicht nach seinem Aussehen abstempeln und in eine Schublade stecken. Vielleicht sollten diese “Hetzer” auch mal bedenken, dass sehr viele von unsereiner soziale Berufe erlernen und darin geradezu aufblühen und sie eventuell gerade von diesen Leuten später im Rollstuhl durch die Gegend gefahren werden und ihnen der Hintern abgewischt wird.

Ich selbst fühle mich wie gesagt sehr wohl als die, die ich nach langem Kampf endlich sein darf und seit meinem Auszug ist auch das Verhältnis zu meiner Familie besser geworden, ebenfalls habe ich es geschafft meine Essstörung abzustellen (ich habe nun seit einigen Jahren ein gesundes Gewicht von 56kg – 58kg bei einer Größe von 1,70m) und mein selbstverletzendes Verhalten ist auch fast gänzlich verschwunden, ich kaue lediglich ganz ohne schlimme Hintergedanken noch an meinen Fingern, aber auch das werde ich irgendwann in den Griff kriegen (da ist er wieder mein Ehrgeiz!). Dennoch werden die physischen und psychischen Narben nie ganz verblassen, aber das ist vielleicht auch gut so und hilft mir dabei ein Leben lang ein toleranter Mensch zu sein und das auch an meine Kinder weiterzugeben, sie ernst zu nehmen und zu respektieren und ganz wichtig – ihnen zuzuhören wenn sie etwas zu sagen haben.

Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen:

In diesem Sinne, schönen Sonntag!



       

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10 Antworten zu “Wie gut, dass die Welt ohne Vorurteile ist…”

  1. Tabea am 26. October 2008

    Wow! Ich bin platt!
    Einige Dinge musste ich mir zwei-dreimal durchlesen, bis dass ich sie verstanden habe.
    Es ist großartig, dass du hier deine Probleme niederschreibst, und irre mutig. Ich weiß nicht, ob ich das könnte.
    Durch soetwas, dieses niederschreiben, sei es im Blog, Tagebuch oder sonst wo, fühlt man sich viel besser, und ich denke, dass sollte jeder machen, der mal solche Probleme hatte/hat, weil es einen unglaublich befreit. Man brauch keine Angst vor irgendeiner Reaktion haben, aber man ist es erstmal losgeworden, erstmal wurde es jemandem “erzählt”, und auch wenn keine Antwort kommt, so hilft dennoch erstmal dieses “loswerden”, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Natürlich, wenn etwas schwerwiegenderes vorliegt, sollte man sich in keinstem, wirklich keinstem Falle schämen, wenn man ärztliche oder therapeutische Hilfe aufsucht. Es geht nicht darum, wie einem die Leute angucken dabei, wenn man die Praxis eines Psychologen betritt, sondern es geht darum, dass wie es ist, nicht weitergehen kann, und man den Dreh bekommt, dass man etwas daran machen will und Hilfe annimmt. Diese Hilfe annehmen hat nichts mit Schwäche zu tun, eher mit Stärke! Es gibt viele Menschen, die sich das nicht trauen.
    Und nun auf dich bezogen, liebe Steph, es ist schon hart was du durchgemacht hast, und ich finde es toll, dass du gut herausgefunden hast. Sicher war es ein großer Pluspunkt, dass du deinen besten Freund hattest, auch wenn lange kein Kontakt mehr herrscht. Ich kenne das, auch mein bester Freund hat mich so genommen, wie ich bin, mit allen Ecken und Kanten, ich konnte ihm alles, wirklich alles erzählen, und das hat mir in meiner damaligen Lebenssituation auch sehr weitergeholfen, auch wenn, so wie bei dir, kein Kontakt mehr herrscht, aus welchen Gründen auch immer.
    Nocheinmal, es ist wirklich großartig, dass du das niederschreibst, denn so gibst du auch anderen Mut, die das lesen, dass sie nicht alleine auf der Welt sind mit Problemen dieser Art. Es tut gut zu wissen, dass es noch mehr “Mitleidende” gibt.
    Nun auf die “schwarze Szene” bezogen, ich habe angefangen mich schwarz zu kleiden, als ich 12 war. Da musste ich auch mit vielen vielen Vorurteilen kämpfen, vor allem, weil unser Wohnumfeld nicht gerade das Beste war und mir diverse Silvesterböller hinterhergeworfen wurden, Steine durch mein offenes Fenster, sowie auch verfaultes Obst. Habe auch mit dem Vorurteil der Hexe kämpfen müssen (kam wohl eher durch die roten Haare), aber das habe ich, ich will nicht sagen mit Bravour gemeistert, eher würd ich sagen, “ich hab’s überlebt”. Dementsprechend bin ich froh, dass ich momentan nicht in irgendeiner Siedlung wohne, sondern in der Innenstadt, wo man die Leute, die man sieht, vielleicht nicht am nächsten Tag wiedersieht, und das gibt einem eine gewisse Sicherheit.
    Auch wenn mein Aussehen nicht mehr so krass ist, wie vor ein paar Jahren, so habe ich teilweise immernoch Probleme im Alltag, z.B. Schule, wenn meine Mitschüler herausfinden, dass ich in gewissen Dingen die gleiche Ansicht wie sie habe und oh, welch Wunder, sogar lachen kann.
    Jetzt ist mein Kommentar so lang geworden, ich denke, ich hör hier lieber auf und denke mal über einen eigenen Blogeintrag nach ;)
    Danke, liebe Steph! :)

  2. mrs. steph | Twitter: am 26. October 2008

    @Tabea: Danke liebe Tabby, lass dich mal drücken! :)
    Ganz ehrlich, ich habe nicht mit Kommentaren dazu gerechnet und eigentlich hab ich das auch nicht geschrieben um welche zu bekommen, sondern einfach wie du schon sagtest es musste raus. Eigentlich hatte ich mir mal vorgenommen derartige Aussagen zu ignorieren, irgendwie ist es um unsere Szene ja auch ein bisschen still geworden aber das mit den Züchtern hat mich einfach nicht mehr losgelassen, ich kann nicht genau sagen warum, vermutlich weil ich einfach schockiert bin über die Intelligenz mancher älterer user im Forum und auch ein bisschen angefressen bin, dass so noch mehr Mist über uns verbreitet wird.

    Therapie stand für mich damals auch im Raum, allerdings hätte hier glaube ich nur eine Familientherapie wirklich etwas gebracht und gegen die weigerte sich meine Familie mit Händen und Füßen, denn sie waren ja im Recht… Dennoch, wie du sagst sollte niemand vor einer helfenden Hand und sei es der Gang zum Psychologen oder zu einem Jugendamt etc. sein zurückschrecken. Mir hat es hauptsächlich auch geholfen anderen, die schwerwiegende Probleme hatten eine Stütze zu sein, das gab mir ein bisschen meines Selbstwertgefühles zurück, denn so war ich keineswegs nutzlos und gut zuhören konnte ich schon immer! Womit wir auch wieder bei den sozialen Berufen wären ;) vielleicht hätte ich damals irgendwas in die Richtung machen sollen, aber es ist ja nie zu spät, ne?

    Dass du noch schlimmere Dinge durchmachen musstest tut mir schrecklich leid. Bei mir blieb es wenigstens nur bei Beschimpfungen und einer Art “Psychoterror”, Steine, Silvesterböller etc. hat zum Glück niemand in meine Nähe oder nach mir geschmissen :(
    Ich kann dich aber total verstehen, dass du jetzt lieber etwas anonymer in der Innenstadt wohnst als auf dem Dorf wo jeder jeden kennt, geht mir genauso außerdem nehmen die Leute hier einen lockerer, musste ich feststellen.

    Ich habe damals irgendwann angefangen meine Probleme aufzuschreiben, auch wenn ich mit niemandem darüber reden konnte so hat das Niederschreiben wenigstens immer ein bisschen Druck von mir genommen.

    Übrigens sorry, dass du mehrmals lesen musstest, das ganze ist heute früh aus mir rausgesprudelt als ich gerade aufgestanden war, ich war vermutlich auch noch nicht richtig wach ;)

    Bitteschön und nur Mut vielleicht kommt der Blogeintrag dann ganz von allein :)

  3. Sari am 26. October 2008

    Ich bin oft wegen meines Auftretens kritisiert worden, vor allem in der Schule. Ich mache den Lehrern Angst, wirke depressiv und uninteressiert. Dass ich aber vor allem einfach nur ein ruhiger Mensch war und bin und schwarz einfach gerne trage, das war denen nicht als eine Möglichkeit in den Sinn gekommen. Stattdessen hagelte es immer Standartisierungen, Stigmatisierungen und Vorwürfe. Aber ich konnte irgendwann damit umgehen. Natürlich habe ich auch vorher eine Art Depression durchgemacht und nur ein paar Menschen waren in der Lage mir zu helfen und heute habe ich mich weiterentwickelt und stehe über all dem.
    Ich schließe mich an, dass es wirklich mutih von dir ist, dich so zu öffnen und ich sage: Sei Du und lass dir nichts anderes einreden.So lange es Menschen gibt, die dich nehmen wie du bist, bist du ein glücklicher Mensch!!

  4. mrs. steph | Twitter: am 26. October 2008

    @Sari: Danke liebe Sari!
    Ich war in der Schule auch ein eher ruhiger Mensch, ich wollte einfach meine Ruhe aber das hat auch fast keiner verstanden. Die naheliegenden Sachen werden leider nie in Betracht gezogen, da lieber irgendwelche an den Haaren herbeigezogene Dinge.

    Wie gesagt mittlerweile steh ich auch meistens über den Dingen, ich habe genug liebe Menschen um mich herum, die mich so nehmen wie ich bin :) Ich war nur so schockiert, dass solche dummen Aussagen gerade von renomierten Katzenzüchtern und Tierschützern in diesem Forum getroffen wurden, gerade von diesen beiden bereits erfahrenen und älteren Damen hätte ich das nicht erwartet. So kann man sich täuschen.

  5. Cait am 26. October 2008

    Liebe Steph,

    ich weiß nicht, worum es in dem Forum ging. Interessiert mich auch gar nicht so sehr. 80 % oder noch mehr der Leute in Foren kann man in die Tonne kloppen. Trotzdem hat mich dein Beitrag irgendwie wieder verstört. Ich weiß nicht, ob es Vorurteile sind, die ich habe, aber das mag jeder gern selbst bewerten. Ich finde (und ich habe die Erfahrung auch schon öfter gemacht), dass gerade die Menschen aus der schwarzen Szene, wie du es nennst, sich immer für besonders vorurteilsfrei, tolerant und auch für frei im “allgemeinen” Sinn halten. (Wenn es dafür überhaupt einen allgemeinen Sinn gibt…) Hast du aber bemerkt, dass du mit deinem Posting auch viele Leute über einen Kamm scherst? Und dass du (und ich fürchte auch Ricarda, deren Blogeintrag ich kurz überflogen habe, der aber auch sonst nichts enthält, außer Rechtfertigungen) eventuell viele Dinge, die es vermutlich tatsächlich gibt, die ihr aber nicht mit euch (und das natürlich mit Recht) in Verbindung gebracht wissen wollt, einfach als unwahr abtut? Heißt: Nur weil ihr in eurer “Szene” oder eurem Bekanntenkreis niemanden kennt, der solche abscheulichen Dinge praktiziert, bedeutet das nicht, dass es solche Dinge nicht auch gibt. Findest du es nicht etwas weltfremd zu behaupten, dass es keine schwarzen Messen gäbe und niemand Katzen (egal, welcher Farbe) opfern könnte, nur weil euch der Gedanke ängstigt oder ihr nichts damit zu tun haben wollt? Findest du es nicht ein wenig vermessen, andere Menschen danach zu beurteilen, vor was sie Angst haben? Zeigt es nicht viel mehr, dass ein Züchter seine Tiere mag und um ihr Wohlergehen besorgt ist, wenn er Angst hat, dass etwas Unschönes mit ihnen geschehen könnte? Und reagierst du nicht nur mit “Die labern alle nur Bullshit!” darauf, weil die Szene, in der du dich befindest viel zu oft mit Vorurteilen bedacht wird? Hast du schon mal darüber nachgedacht, dass ihr gar nicht so frei seid, wie ihr vielleicht glauben könntet? Immerhin sind die meisten dieser Szene auch nur Sklave einer Farbe und schwimmen mit dem Strom. Und immerhin sehen auch diese Menschen, weil sie sich ob ihrer (meist gar nicht vorhandenen) Toleranz für etwas Besseres halten, oft auf einen Großteil der anderen hinab, weil sie angeblich intolerant, vorurteilsbeladen und spießig sind. Zumindest habe ich die Erfahrung gemacht. Ich will gar nicht kritisieren oder in Abrede stellen, dass du durch deinen Ausbruch in einen anderen Teil einer Gesellschaft, deine Vergangenheit bewältigen konntest. Aber wenn du von Vorurteilen redest bezüglich äußerer Erscheinung, kann ich immer wieder nur daran denken, dass du deine Katzen auch nach der äußeren Erscheinung ausgesucht hast. Dass du mit deiner Unterstützung von Züchtern auch dafür sorgst, dass unnötig noch mehr Katzen gezüchtet werden, wo es eh schon genug gibt, die keiner will und die ein Zuhause viel dringender brauchen. …

    Ich weiß, das hier klingt alles schon wieder so fies und hart und angreifend. Tut mir auch leid. Aber deine Worte stoßen mir hier und da manchmal echt übel auf. Ich meine, ihr seid sicher tolerant. Aber das dann immer nur innerhalb eurer eigenen Grenzen, eurer eigenen Welt. Und wer nicht tolerant innerhalb eurer Grenzen ist, ist halt nicht tolerant in euren Augen. Und das finde ich doof. :) Ihr erwartet stellenweise etwas von anderen Menschen, von dem ihr nicht in der Lage seid, es auch zurückzugeben. Warum seid ihr nicht tolerant gegenüber den Züchtern, die Angst haben, die eventuell Vorurteile haben? Haben Menschen mit Vorurteilen keine Toleranz verdient? Practice what you preach! Es ist ja immer noch deren Entscheidung, was sie mit den (nutzlos) gezüchteten Katzen anstellen. Und wie gesagt: Wenn ihr nicht nur in eurer (immer wieder propagiert) heilen Welt, mit den immer und überall toleranten Menschen, auch mal über den Tellerrand sehen würdet, dann müsstet ihr euch vielleicht auch eingestehen, dass es mehr (mitunter scheussliche) Dinge gibt, als man überhaupt wissen will. Manche Dinge sind auch so krank und abgefahren, dass man daran zweifelt, dass es sie überhaupt gibt. Aber man darf es nie ausschließen. Und das ist etwas, was du hier in dem Beitrag machst. Und das ist schade, da du ja eigentlich selbst genug erlebt hast, um offener zu sein, auch den unschönen Dingen gegenüber.
    Wie gesagt; kann sein, dass es in dem Forum weit schlimmer war und ihr persönlich angegriffen wurdet oder euch zumindest so gefühlt habt (was ein großer Unterschied ist), aber das kam eigentlich hier nicht wirklich klar zutage.
    Und es steht dir natürlich auch frei, mich jetzt total scheiße zu finden, meinen Link zu löschen oder mich persönlich anzugehen oder mal über meine Worte nachzudenken. Was immer dir beliebt. :) Ich mag dich ganz gern, so gut ich dich bisher über das Netz kennenlernen durfte und jeder, der einer Katze (oder mehreren) ein gutes Zuhause gibt, egal ob Tierheimkatze, Straßenfund oder gezüchtet, kann kein so schlechter Mensch sein. Wenn ich dich nicht mögen würde, würde ich mir nicht die Mühe machen, so etwas zu schreiben. Dann würde ich einfach deinen Feed aus meinem Reader löschen und gut ist. :) Klar, ich habe sicher auch meine (extrem behinderten) Fehler, aber das heißt ja nicht, dass man nicht andere darauf aufmerksam machen dürfte, wenn einen etwas stört.
    Ich wünsche dir trotz allem einen schönen Restsonntag.

    Jenny

  6. mrs. steph | Twitter: am 26. October 2008

    @Cait: Hallo Jenny,

    klar gibt es überall kranke Menschen, ich habe nur in den ca. 8 Jahren niemanden kennengelernt der so krank war und ich habe nicht behauptet, dass es das nicht geben würde, auch habe ich versucht diese Züchter zu verstehen und ich (und Ricarda) habe mit ihnen gesprochen aber die wollten weder zuhören noch genauer erläutern, geschweige denn das die auf näheres Nachfragen gewusst haben wovon sie reden. Auch unsere Frage nach diesen Fällen wurde uns nicht beantwortet “es würde eben nur so in der Züchterszene rumgehen” und dass sie jetzt immer Angst hätten, dass in einem Wurf schwarze Katzen sein könnten.

    Das Thema warum wir uns eine Katze vom Züchter geholt haben, haben wir ja schon an anderer Stelle diskutiert, das möchte ich jetzt nicht nochmal anfangen. Für uns gab es damals ausschlaggebende Gründe warum wir uns nicht eine aus dem Tierheim/vom Bauernhof holen :)

    Ich schaue auch nicht auf Leute hinab und meine die wären intolerant. Normalerweise interessiert mich das Gerede auch nicht mehr aber gerade von diesen Personen da war ich geschockt und bin es immer noch auch weil die beiden zu keiner Diskussion bereit waren aber man deutlich rauslesen konnte, dass die ihre Bildung wohl wirklich aus der Regenbogenpresse haben.

    Auch finde ich dich dafür jetzt nicht doof, wenn ich nicht kritikfähig wäre und in Selbstbeweihräucherung leben wöllte, hätte ich keinen Blog ;)

    Liebe Grüße,

    Steph

  7. Tobias am 10. February 2009

    Ich schließe mich meinen Vorrednern mal an, finde es sehr mutig von dir so etwas intimes öffentlich aufzuschreiben. Das es gut tut allgemein etwas aufzuschreiben stimmt, aber das öffentlich zu machen fordert doch schon etwas mehr Mut, finde ich. Ich würde es auch nicht machen denke ich ^^ Aber umso mehr kann man Respekt vor dir haben das du es tust.
    Auch wenn ich deinen Blog erst seit gestern kenne und dich schonma gar nicht näher kenne find ich das es hier direkt eine sympathische Stimmung gibt. Und die kommt nicht vom tollen WordPress sondern vom Autor *g*. (neben viel kommentieren lobe ich auch gern…)
    Naja, jedenfalls find ichs eigentlich mit jedem weiteren Post den man liest toller hier, hab auch brav deinen Feed geadded :D .
    Ich nerve also jetzt öfters :)
    Und mit diesem Post konnte man dich echt besser kennenlernen, find ich gut, vor allem weil viel zwischen den Zeilen steht. Das mag ich. Und was ich finde, man sollte nochmal die Person loben die dich dazu gebracht hat offen mit dir selber umzugehen. Die Menschheit braucht mehr solcher Menschen. Ich selber weiß wovon ich rede, hab ähnliche Erfahrungen gemacht wie er mit dir dann ;) Also, weißt was ich meine? Wenn ich jetzt schreibe: “ich bin auch so toll…” dann klingt das doof, das mag ich nicht, von daher, jetzt hab ichs ja eh geschrieben, denk dir deinen teil bitte *g*
    Wie auch immer, find das toll wie du schreibst und wie du andere Menschen die du noch nie gesehen hast an deinem Leben doch recht stark teilhaben lässt. :) Du hast einen Stammleser mehr :blush:

  8. mrs. steph | Twitter: am 10. February 2009

    @Tobias: Wow was für ein langer Kommentar! :)

    Ich denke meine “Offenheit” hat vielleicht auch etwas damit zu tun, dass ich schon immer die Diskussion gesucht habe und mich familiär nicht mitteilen konnte. Ich möchte wissen ob andere genauso denken, ich möchte Denkanstöße und irgendwie ist es auch eine Art “Therapie”, zu wissen, dass man nicht allein ist mit seinen Probleme und dass man eigentlich doch ganz normal ist. Früher hatte ich eins von diesen online journals bis die Seite dicht gemacht hat, dann kam lange nix und dann hab ich wordpress ne Chance gegeben :)

    Ich könnte nicht immer nur “die Welt ist schön, alles ist super, ich hab euch lieb” posten, ich bin ein Mensch wie jeder andere auch und ich hab meine Launen, meine Hochs und meine Tiefs. Ich lese sehr gern private/persönliche Blogs, wie du schon sagtest auch wenn man die Person nicht kennt fühlt man sich so vielleicht auch gleich ein bisschen mehr “vertraut” und mir gefällt es am Leben anderer teilzuhaben.

    Ich weiss, dass viele so eine Art Blog oder besser so ein Tagebuch als “catcontent” und Datenmüll abtun, aber das ist mir egal das ist mein Blog und auch wenn ich damit nicht die breite Masse erreiche, zumindest ein paar nette Leute schauen öfters vorbei und lassen mir ein paar Zeilen da :)

  9. Tobias am 10. February 2009

    Ja, wenn das Thema gut ich schreib ich gern viel :)

    Hast sicher Recht, wenn man jahrelang eher zurückgezogen gelebt hat und eher selten den Mund aufgemacht hat dann brauch man das danach sicher umsomehr. Und ne “Therapie” ist es sicher, denke ich auch. Man kann mit seinen Gedanken, egal ob positiv oder negativ, besser umgehen wenn man sie reflektiert und aufschreibt. Man lernt sich auch selber besser kennen dann.

    Und ganz ehrlich, ein Blog in dem es immer nur um die schöne heile Welt geht, der wird schnell langweilig. Ich selber schreibe zwar auch eigtl. gar nichts persönliches in meinem Blog, aber lese solche sehr gerne. Und das wichtigste ist meiner Meinung nach, dass die Autorin oder der Autor Spass daran hat und es gerne macht, gerne seine Gedanken etc. aufschreibt und auch gerne Kommentare dazu hört. Denn wenn das gegeben ist schreibt derjenige auch gute Artikel/Posts und nicht so den Einheitsbrei den ich auch wo anders lesen kann, ich will ja gerade was besonderes und einzigartiges hier finden, nicht das was ich schon kenne. Und den eigenen Horizont erweitern hat noch keinem geschadet! :)

  10. mrs. steph | Twitter: am 10. February 2009

    @Tobias: Besser hätte ich es auch nicht auf den Punkt bringen können! :woot:

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