Gestern Abend habe ich noch mit meinem Herrn Papa telefoniert um ihn nach seinen Wünschen für Mama’s (von mir gebastelte) Geburtstagskarte zu fragen. Die Karte sieht sogar richtig nett aus, vielleicht mache ich mal ein Foto davon.
Jedenfalls wollte meine Frau Mama dann auch noch kurz mit mir plauschen und was ich da zu hören bekam hat mir einen halben Herzinfakt und jede Menge Hass/Verständnislosigkeit für unsere inkompetenten grünen Kollegen beschert. Manchmal glaube ich die Bezeichnung “Schnittlauch – außen grün innen hohl” passt doch ganz gut zu diesen Herren. Aber fangen wir von vorne an…
Meine Eltern saßen wie immer bei diesem schönen Wetter Abends mit ihren Nachbarn auf ihrer eigens dafür eingerichteten Sitzecke vorm Haus, als plötzlich ein lauter Knall zu hören war. Meine Mutter meinte noch beiläufig zu ihrer Nachbarin Frau Schmidt, dass sie jetzt wohl wieder einen erschossen hätten (bei uns hat sich erst am Wochenende ein 52 jähriger Obdachloser selbst gerichtet nachdem er einem Polizisten 5 Kugeln in die Beine und dessen Kollegen einen riesen Schrecken eingejagt hat als diese ihn kontrollieren wollten). Nach diesem Knall und der mehr oder weniger scherzhaften Bemerkung meiner Mutter kam eine ältere Dame aus dem Haus schräg gegenüber aufgeregt angerannt und fragte ganz entsetzt nach ob denn unser Don Nero Corleone da wäre. Als mein Vater verneinte und wieso fragte, brach die Frau in Tränen aus und stotterte, dass oben an der Straße gerade ein schwarzer Kater überfahren worden wäre.
Mein Vater und Frau Schmidt stürmten sofort gen Straße um nachzusehen, meine Mutter konnte nicht, war sie doch gerade selbst in Tränen ausgebrochen und selbst wenn es nicht unser Macho wäre, würde ihr das arme Tier so sehr leid tun, dass sie sich das nicht anschauen kann.
Frau Schmidt und mein Vater rannten also zur Straße und als sie dort ankamen stellte sich heraus, dass nicht unser Pate auf der Straße lag, sondern ein anderer schwarzer Kater. Der Autofahrer war noch anwesend und ein dazugerufener oder rein zufällig vorbeigekommener Polizist (der Schnittlauch sprießt bei uns gleich um die Ecke…) zückte seine Waffe und schoss einfach auf den Kater. Mein Vater, Frau Schmidt und ein älterer Mann, der das ganze beobachtet hatte beschimpften den Herrn in grün aufs bestialische und mein Vater bekommt demnächst wahrscheinlich eine Anzeige wegen “versuchter Beamtenlynchung im Dienst”. Ehrlich, meine Mutter meinte, dass man die Beschimpfungen bis zum Haus runter gehört hat und wenn Frau Schmidt ihn nicht zurückgehalten hätte, hätte mein Vater vermutlich den Körper Kadver des netten Herrn in grün auf den Asphalt befördert und liebevoll zugetreten.
Der Besitzer des kleinen schwarzen Katers kam schließlich zitternd aus seinem Blumenladen dazu (der Unfall war knapp davor passiert, vermutlich wollte der kleine Kerl nach Hause) nahm seine geliebte Fellnase in die Arme und schrie in einem Weinkrampf den Polizisten an was ihm einfallen würde einfach so zu schießen, er sei schließlich weder Förster noch Tierarzt und darf seine Waffe gar nicht einfach mal eben so im Dienst gebrauchen! Was meinen Herrn Papa und die umstehenden wieder in eine wütende Meute against the Schnittlauch verwandelte. Die einzige Rechtfertigung des Polizisten: “Das Vieh wäre so oder so elendig verreckt bis ein Tierarzt irgendwas gemacht hätte, aus meiner Sicht war es besser so.” Gratulation für deine schnelle Auffassungsgabe du beschissener Dreckskerl von einem Vollidioten! Sorry, aber bei sowas möcht ich am liebsten laut schreien.
Mein Vater und Frau Schmidt haben dann noch versucht den Besitzer ein wenig zu beruhigen, es wurden Adressdaten und Dienstnummern ausgetauscht und der Herr wird jetzt Klage wegen “schwerer Sachbeschädigung und unsachgemäßem Waffengebrauch während des Dienstes” (oder so ähnlich) einreichen. Das lindert den Schmerz um die geliebte Fellnase zwar herzlich wenig bringt aber vielleicht ein wenig Gerechtigkeit für den Kater zurück.
Ich lag gestern noch lange wach und musste bitterlich wegen dieser beschissenen Ungerechtigkeit weinen. Es war nicht mein Kater aber ich kannte ihn, der Pate brachte ihn manchmal mit zum Fressen vorbei. Ein niedlicher kleiner Fratz war das, sah wirklich haargenauso aus wie unser Don, nur ein bisschen kleiner, leichter und ettliche Jahre jünger. Es ist schlimm, es ist wirklich schlimm und wäre ich der Besitzer oder wäre es gar unser Pate und ich dabei gewesen, säße ich jetzt wahrscheinlich wegen schwerer Körperverletzung in U-Haft oder der überaus kompetente Mann von der Polizei hätte mir auch noch eine Kugel zwischen die Augen gejagt. Ich wünsche dem Besitzer, dass er mit seiner Klage Erfolg hat und diesem selbstgerechten Drecksack von einem Polizisten wochenlange Albträume und Lizenzentzug und Hautausschlag und die Mafia an den Hals.
Heute früh saß der Don vor der Haustür als ich bei meiner Mutter Erdbeeren abgeholt habe. Ich hab ihm was zu fressen vor die Tür gestellt, er hat mich nur irgendwie traurig angeschaut (oh ja, Tiere können traurig schauen!) und sich dann mit weniger Elan als üblich über sein Frühstück hergemacht. Der schmerzliche Verlust scheint sich im Revier bereits rumgesprochen zu haben.
Eigentlich wollte ich heute über etwas schöneres schreiben, aber das ist mir vergangen. Die Worte traurig, wütend und entsetzt beschreiben nicht einmal einen Bruchteil von dem was in mir vorgeht und ich möchte nicht wissen was in dem Besitzer des kleinen Katers vorgeht.